Zimbabwe-Workshop-Erlebnisbericht (3.11.2002)

Während in J´burg der Weltgipfel für erneuerbare Energie abgehalten wird, findet nicht weit von der südafrikanischen Grenze ein Workshop für den Bau von Energiesparöfen im äusseren Süden von Zimbabwe statt. Der Energiesparofen wurde nach 1 ½ jährigen intensiven Gesprächen, Forschungen und Entwicklungen in Österreich konzipiert (bmvit, iez, kov) und sollte in den ländlichen Gebieten des südliches Afrikas gebaut werden. Er besteht aus ungebrannten, handgemachten Lehmziegeln, aus Lehmmörtel, der aus der unmittelbaren Umgebung stammt, einem Blech als Schieber (Zugsperrer) und 4 Rundeisen, als Tragkraftverstärker für schwerere Blechwasserkübel oder grosse Gusstöpfe.

Dieses "small-scale-biomass-project" (kleines Biomasseprojekt) ist nahezu 100 % angewandte Technologie, d. h. für die Verwirklichung eines Ofens muss kein Baumaterial gekauft werden, es ist lediglich die Arbeitskraft kombiniert mit "know-how" einzusetzen. Die Verfügbarkeit der Materialien (Lehm, Sand, pflanzliche Bestandteile) und die handwerklich erforderliche Arbeitskraft ist in allen Ländern der Erde gegeben, durch die Weitergabe des Wissens (Know-how) bleiben die Eingeborenen unabhängig und können weiterhin ihre Kultur leben.

Horizont 3000, österr. Kooperation und Entwicklungshilfeinstitut ermöglichte die Kontakte innerhalb des Landes. Die Forestry Commission, vergleichbar mit dem Ministerium für Wald- u. Forstwirtschaft und Umweltentwicklung, hat ein landesweites Netzwerk und die Erfahrung in ländlichen Gebieten Projekte durchzuführen. Mit Hilfe der Mitarbeiter von den oben genannten Organisationen startete die Reise von Harare Richtung Süden, nach Mwenezi, das zur Region 5 gehört, das bedeutet absolute Trockenheit = Dürre; mit jedem gefahrenen Kilometer auf der linksbefahrenen Hauptverbindungsstrasse zwischen Capetown/J´burg und Malawi kommen wir tiefer in eine von der Dürre heimgesuchte Gegend, in der die Hungersnot bereits 7 Millionen Menschen betrifft. "The people are starving around" (die Leut´sterben vor Hunger), diesen Satz bekommt man als Weisser täglich zu hören, als einer, den alle skeptisch betrachten, nicht nur die in der Überzahl befindlichen Schwarzafrikaner, auch die Weissafrikaner werfen teilweise verärgerte Blicke, kein Wunder sind sie doch Opfer der "Landreform".

Das Ankommen im Dorf war ein gegenseitiges Vorgestelltwerden mit Begrüssungszeremonien und Einführungsvorträgen; währenddessen wurden die Teilnehmer für den Ofenbauworkshop und die Haushalte, in denen die Öfen gebaut werden sollten, ausgesucht. Die Dorfbewohner waren natürlich skeptisch über meine Lehmöfen, schon wieder kommt ein Weisser und bringt uns etwas aus der alten Welt, was wollen die bloss von uns?

Beim ersten Ofen musste ich Motivations und Überzeugungsarbeit leisten, sowohl die Workshopteilnehmer als auch die Haushalte schauten mir ganz genau auf die Finger, als einziger Weisser war ich natürlich eine Attraktion für Kinder, Frauen und Männer aller Altersstufen, Besucher aus nah und fernen Dörfern schauten neugierig meiner Arbeit zu. Ich selbst hatte nicht viel Platz um in der Kochhütte arbeiten zu können.

Nach dem Fertigstellen des ersten Ofens hatte ich den Grundstein zum Erfolg gelegt, die Köchinnen begrüssten den im Aussehen afrikanischen Lehmofen auf dem sie sitzend oder stehend kochen können. Dazu eine kulturelle Gegebenheit: In den polygamen Dorfgemeinschaften kochen die Frauen traditionellerweise kniend, so kam ein gesetzter Patriarch auf die Baustelle und kritisierte meine Tätigkeit mit den Worten: "A man is a man and a woman is a woman and she has to knee when she cooks!" (Ein Mann ist ein Mann und eine Frau ist eine Frau und sie muss knien wenn sie kocht").

Der zweite Energiesparofen wurde in der Hälfte der Zeit gebaut, die Haushälterin war eine meiner Workshopteilnehmerinnen und so bekam ich direkt aus erster Hand das Feedback (Rückmeldung) über die Verwendbarkeit der neuen Ofentechnologie. Der dritte Ofen wurde innerhalb von 1 ½ Tagen gebaut und nun waren die 5 eingeborenen Teilnehmer schon so weit, dass sie selbständig Öfen bauen konnten. Also erteilte ich ihnen den Auftrag selbständig zwei weitere Öfen in ihrem Dorf zu bauen, ich überwachte am Ende eines Arbeitstages das Ergebnis und begutachtete ihre ausgezeichnete Arbeit.

In der Zwischenzeit wechselte ich mit dem Workshop ins nächste benachbarte Dorf. Dort hatte sich schon längst herumgesprochen, wie gross (120 x 75cm) und wie hoch (~ 72cm) diese Öfen sind. Die drei verschieden grossen Kochtöpfe werden direkt beheizt, indem der jeweilige Kochtopfboden genau die Feuerraumoberkante bildet, die Rauchgase werden zweimal nach dem Berühren des dritten Kochtopfes umgelenkt, gehen durch die Kochhausmauer in den aussenstehenden Rauchfang, der für eine rauchfreie Küche sorgt. Der Zugsperrer befindet sich vor dem Eintritt der heissen Rauchgase in das Verbindungsstück zwischen Ofen und aussenstehenden Rauchfang und ermöglicht lang anhaltende Back- und Strahlungswärme. So bleibt ein Blechwasserkübel über Nacht warm und die Frauen müssen morgens in der Früh nicht einheizen, um warmes Wasser zum Waschen zur Verfügung zu haben. Ausserdem sorgt der Schieber für Rauch in der Küche, der tradiotionell verwendet wird: das teuerste Saatgut wird so im Strohdach geschützt, kein Insekt kann es dadurch befallen, die hin und wieder aggressiven Insektenschwärme können dadurch von den Hütten ferngehalten werden. Der Wirkungsgrad des Energiesparofens wurde mit 84% vom Österreichsichen Kachelofenverband, Wien 22, Dassanowskyweg 8, gemessen und ermöglicht eine sehr holzsparende und effiziente Ausnutzung der im Holz gespeicherten Sonnenenergie.

Der zweite Workshop mit fünf neuen Teilnehmer/Innen war von Beginn an eine Verschmelzung von europäischer Dynamik und afrikanischer Handwerkskunst. So wurde jeder neu entstandene Energiesparofen noch schöner, perfekter im Aussehen, die Lehmoberflächen variierten von Ort zu Ort, weil jede homestead (Hausverband) ihren eigenen Lehm hat (schwarze, braune, hellbraune, ockerfarbene, rötliche und gelbliche Lehmoberlfächen). Mittlerweile hatte sich herausgestellt, dass die Öfen Holz einsparen und zwar in einem Ausmass, das ich nicht für möglich gehalten hätte: Die Frauen kochten mit einem Drittel eines gesammelten Bündels (1,2 - 1,5 m lange dünnere harte Aststücke) nur für einen Tag, jetzt kommen sie 3 - 4 Tage mit derselben Menge an Holz aus! Eine genaue Abschätzung der Holzeinsparungsmöglichkeiten erfolgt erst nach der Evaluation. Auf Grund des Wissensvorsprunges (die Buschtrommeln) gelang es mit den fünf Teilnehmer/Innen in sehr kurzer Zeit fünf neue Energiesparöfen zu bauen, pro Ofen benötigte man lediglich 1 ½ Tage, der fünfte Ofen wurde sogar innerhalb eines einziges Tages gebaut!

Durch die langanhaltende Dürre, den katastrophalen Zyklon vor 2 Jahren (Mocambique unter Wasser), unregelmässigen Regenzeiten und –mengen ist die Bevölkerung massiv von der Hungersnot bedroht. So haben wir regelmässig Lebensmittel eingekauft und in die Dörfer transportiert, wo dann für alle Teilnehmer/Innen und Familienmitglieder gekocht wurde. Brot gab es höchstens dreimal die Woche, stattdessen kaufte man Hartkekse zum Tee, der immer um ca. 11:00 Uhr serviert wurde. Überhaupt ist das Einkaufen von Grundnahrungsmitteln ein Spiessrutenlauf, weil die für uns so selbstverständlichen Grundnahrungsmittel in äusserst geringen Mengen und vorallem überteuert verkauft und auch noch gesucht werden müssen, z. B. 50kg Maismehl kosten normalerweise 1 U$, Maismehl ist in Zimbabwe das traditionelle Grundnahrungsmittel und ist nur am Schwarzmarkt zu zehnfachen Preisen erhältlich!

Brot verteuert sich zweiwöchentlich durch die Entwertung des Geldes und Weizenmehlknappheit und ist für einen Zimbabwer mittlerweile reinster Luxus geworden. Während mehreren Wochen ernährte ich mich fast vollständig von ungesalzenen Maisbrei, hin und wieder Reis, wenn Maismehl nicht käuflich war, Ziegenfleisch (Bock und Gais), manchmal Rind- oder Hühnerfleisch, anderes konnte/wollte ich gar nicht kosten (...........), trank salzhältiges warmes Wasser aus den ca. 50 m tiefen Bohrlöchern, das gut gegen den täglichen neu entstehenden Durchfall ist. Ein selbst gebrannter Obstler, der genau rationiert wurde, erleichterte mir die Verdauung erheblich, da die Nahrung für unsere Essgewohnheiten unüblich ist.

"Eat now, you never know when the trouble comes!" Der Spruch für das morgendliche Frühstück soll einen aufmuntern so viel wie möglich zu essen, denn wenn man erst man draussen ist, da weiss man nie so genau....................

Von einer Ziege bleiben nur die Hufe übrig, alles andere wird verwendet, es gibt keinen Überschuss und keinen Abfall, alles wird sinngemäss verwendet.

Der Kult und die Kultur leben ihre Traditionen trotz aller Einflüsse von aussen, die Anzahl der verschiedenen Missionen ist beträchtlich: Christliche, evangelische, protestantische, apostolische, baptistische, die Zeugen Jehovas, etc...... die traditionellen Rituale funktionieren nach wie vor, wenn auch nicht vor unseren Augen in den eigens dafür gebauten Lehmrundhäusern, in manchen durfte ich einen Energiesparofen bauen. Der Ahnenkult ist ein eigenes Glaubenssystem und gehört zu den Eingeborenen wie ihre Totems und ihre natürliche Gabe, Musik und Gesang aus dem Bauch heraus direkt in Herz fliessen zu lassen. Der Dank, der mir zuteil wurde, bestand aus spontan intonierten, traditionellen Liedern und Gesängen, die Trommeln lassen die Umgebung mitschwingen und vereinen die Musik zu einer Botschaft, die so herzlich und freundlich ist, wie die Bewohner.

Täglich wirbelt der um mittags aufkommende Wind Staubfahnen hoch, Sandwirbel entstehen sekundenschnell, hüllen Körper in Staub und nehmen einem die Luft weg. Die Dürre, diese wüste Trockenheit und die heftigen unberechenbaren Regenfälle haben diese Land - neben den politischen Umständen - in eine kommende Hungersnot gestürzt. Der Brotkorb des südlichen Afrikas - Zimbabwe - wird leerer und leerer, umgeben von dadurch mitleidenden Länder wie Mocambique, Malawi, Zambia, Namibia, Angola, Botswana, Teile der Republik Südafrika, Swasiland.

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